Der Beruf des/der Physiotherapeuten/-therapeutin hat in den vergangenen Jahrzehnten eine starke Aufwertung erfahren. Umgangssprachlich noch als Krankengymnastik bezeichnet, stellt die Physiotherapie ein abwechslungsreiches und spannendes Beschäftigungsfeld dar, das sehr viel Verantwortung und Sorgfalt erfordert.
Physiotherapeuten und –therapeutinnen widmen sich der Aufgabe, die Beweglichkeit und andere körperlichen Funktionen ihrer Patienten bzw. Kunden zu erhalten, wiederherzustellen oder zu verbessern, insbesondere dann, wenn diese aufgrund ihres Alters, einer Verletzung oder einer Behinderung besonderen Bedarf haben. Darüber hinaus werden Physiotherapeutinnen und –therapeuten auch präventiv tätig. Unterschieden wird zwischen der aktiven Therapie, bei der z.B. gezielt Muskeln bewegt oder den Patientinnen und Patienten bestimmte Übungen oder Bewegungen beigebracht werden, und der passiven Therapie, welche z.B. Wärmebehandlungen oder Massagen beinhaltet.
Physiotherapie ist eine intensive Arbeit mit Menschen und an Menschen. Dies bedeutet, dass Physiotherapeuten und –therapeutinnen ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen mitbringen und sowohl psychisch, als auch physisch belastbar sein müssen. Die Arbeit erfolgt mit direktem Körperkontakt und stellt, insbesondere bei Massagen, besondere Anforderungen an die Rückenmuskulatur der Therapeuten und Therapeutinnen. Da viele Patientinnen und Patienten aufgrund von Schicksalsschlägen eine Physiotherapie benötigen erfordert die Tätigkeit als Physiotherapeut oder Physiotherapeutin zusätzlich zur körperlichen eine hohe emotionale Belastbarkeit. Da bei der Physiotherapie die Mitarbeit der Patientinnen und Patienten den Erfolg der Therapie maßgebend bestimmt, ist auch ein hohes Maß an Geduld und Motivationsfähigkeit seitens der Therapeutinnen und Therapeuten von Nöten.
Die Therapie konzipieren Physiotherapeuten und –therapeutinnen meist selbst und führen sie eigenständig durch. Im medizinischen Bereich erfolgt die Leistung auf ärztliche Anordnung und erfordert daher ein hohes Maß an Koordination mit den verschiedenen behandelnden Stellen.
Je nach Position erledigen Physiotherapeutinnen und –therapeuten auch administrative und koordinative Aufgaben im Büro, teilweise ausschließlich, teilweise zusätzlich zur Ausführung der Therapie.
Physiotherapeutinnen und -therapeuten können sowohl im medizinischen, als auch im nicht-medizinischen Bereich tätig sein, in beiden Fällen sowohl als Angestellte, als auch als Selbstständige. Als Angestellte arbeiten sie hauptsächlich in Krankenhäusern, Arztpraxen, Rehabilitationszentren und Altenheimen. Auch in Einrichtungen, die Menschen mit Behinderung betreuen oder beschäftigen, können sie tätig sein. Im nicht-medizinischen Bereich gehören Sportstätten und Wellnessanbieter zu den häufigsten Arbeitsplätzen.
Die Arbeitsform als selbstständige/r Physiotherapeut oder -therapeutin empfiehlt sich für alle, die sich mehr Entscheidungsfreiräume erschließen wollen. Besonders Eltern nutzen häufig die Freiräume, die sich aus einer selbstständigen Tätigkeit ergeben, um beispielsweise Wochenend- und Schichtarbeit, wie sie in Krankenhäusern üblich ist, zu entgehen. Neben der Gründung einer eigenen Praxis kommt dann auch die Tätigkeit als Freiberufler/-in infrage. Wer über spezielle Fertigkeiten verfügt, beispielsweise eine Fortbildung in Lymphdrainage absolviert hat, kann seine Dienstleistung dann als Freier Mitarbeiter bzw. Freie Mitarbeiterin anbieten. Häufig eröffnen Physiotherapeutinnen und -therapeuten nach ihrer Qualifizierung auch Gemeinschaftspraxen, in denen die Beteiligten unterschiedliche Therapieformen anbieten.
Die Physiotherapie gehört zu den Gesundheitsberufen und bringt daher unregelmäßige Arbeitszeiten und auch Dienste an Wochenenden und Feiertagen mit sich. Unabhängig davon, ob sie in einem Krankenhaus, bei einem ambulanten Dienst oder selbstständig arbeiten, bestimmen Physiotherapeuten und –therapeutinnen ihre Arbeitszeit nach den Bedürfnissen ihrer Patienten.
Die Berufsausübung von Physiotherapeutinnen und -therapeuten ist stark reglementiert. Um die Leistung einer Krankenkasse anbieten zu dürfen – egal, ob angestellt oder selbstständig - müssen Physiotherapeuten und –therapeutinnen zunächst den anerkannten Abschluss als Physiotherapeut/in nachweisen können. Zusätzlich muss eine Berufserlaubnis eingeholt werden. Darüber hinaus sind Physiotherapeutinnen und –therapeuten verpflichtet, sich regelmäßig weiterzubilden.
Der Deutsche Wissenschaftsrat geht von einem wachsenden Anteil an Personen mit „multimorbiden“ und/oder chronischen Erkrankungen aus, woraus sich eine besondere Herausforderung für das Gesundheitsweisen ergibt.* Der Bedarf an qualifizierten Physiotherapeuten/-therapeutinnen ist daher groß – was auch die Chancen für den Eintritt in leitende Positionen oder für eine Existenzgründung erhöht.
Da Physiotherapeutinnen und –therapeuten nicht nur Kranke behandeln, sondern ebenfalls präventiv arbeiten, bietet sich auch mit dem Wellnessbereich ein sehr breites Arbeitsgebiet.